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8 April

Atelier Lieverse – View into the Soul

Christiaan Lieverse wurde 1971 in eine Künstlerfamilie geboren. Früh mit dem Kunsthandwerk in Berührung gekommen, studierte er namhafte Künstler wie Mark Rothko oder Lucian Freud. Auch nimmt er sich das breite Oeuvre – sowohl die figurativen als auch die abstrakten Werke – von Gerhard Richter zum Vorbild. Und genau dieser künstlerische Ausdruck findet sich in den Arbeiten von Christiaan Lieverse wieder, wenn man seine Portraits betrachtet. Es ist die Kombination von neuer Technik, perfektioniertem Kunsthandwerk und unterschiedlichen Materialien, die die Arbeiten von Lieverse so faszinierend machen.

Die Darstellung der menschlichen Figur gehört zu den ältesten Motiven der Geschichte der Bildhauerei und Malerei –  so zählt das Portrait seit hunderten von Jahren zu den beliebtesten Abbildungen. Und trotz der Historie gelingt es Christiaan Lieverse seine Portraits so aktuell und erfrischend neu zu gestalten, dass man fast glauben könnte er habe das Genre neu erfunden. Denn gerade der Einsatz von Materialien wie Asphalt, Harz und Feuer katapultieren die Arbeiten in das 21. Jahrhundert. Bei der Auswahl dieser Materialien spürt man, dass Lieverse ebenso ein Bewunderer von Anselm Kiefer ist.

Christiaan Lieverse beginnt seine Arbeiten mit der Umkehrung der Leinwand. Die weiße Fläche wird zur Rückwand und die raue Struktur bildet die Basis, den starken Untergrund. Erst dann wird die Leinwand mit vielen Farbschichten übermalt bis ein monochromer, heller Untergrund entsteht. Am Rand bleibt die dunkle Leinwand sichtbar und gibt dem Bild nicht nur einen visuellen Rahmen, sondern verstärkt auch den harmonischen Eindruck.

Die Modelle fotografiert Christiaan Lieverse einzeln in seinem Atelier. Er nimmt sich hierfür sehr viel Zeit, unterhält sich und lernt sein Gegenüber kennen. Anschließend lässt er sein Modell einen emotionalen Moment, ein prägnantes Ereignis nachempfinden. Dem Künstler gelingt es auf einzigartige Weise den perfekten Augenblick einzufrieren. Wahrscheinlich fühlen wir uns gerade dadurch so persönlich angesprochen von Lieverses Portraits. Es sind keine bekannten Gesichter, die er uns vorstellt; dennoch fühlen wir uns mit Ihnen auf wundersame Weise verbunden. Dieser Blick in die Seele berührt uns und die lebendigen Augen ziehen uns in ihren Bann.

Zum Schluss verleiht Christiaan Lieverse seinen Bildern einen Vintage-Look – es ist wie ein Blick in einen alten Spiegel. Er verzichtet hierbei auf Horizont- oder Perspektivlinien. Allein das Gesicht im übergroßen Format transportiert die ganze Harmonie und Sinnlichkeit.

„Ich bin bestrebt, ein Gleichgewicht zwischen Trivialität und Schönheit, Verwundbarkeit und Rauheit zu finden.“ (Christiaan Lieverse)