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8 April

Der Pop-Art-Künstler der ersten Stunde Claes Oldenburg ist 90 Jahre alt geworden.

Der weltbekannte Pop-Art-Künstler der ersten Generation Claes Oldenburg, der für seine verblüffenden „Soft Sculptures“ und monumentalen Werke mit Verfremdungseffekt im Außenraum bekannt wurde, hat Anfang diesen Jahres seinen 90. Geburtstag gefeiert. Vielerorts hat er mit seinen riesigen Skulpturen das Stadtbild geprägt und mit seinen Nachbildungen von Objekten des Alltags aus ungewöhnlichen Materialien für Irritation gesorgt. Claes Oldenburg ist der letzte der legendären New Yorker Pop Artists der 1960er Jahre, zu denen auch Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Tom Wesselmann zählten.

 

Claes Oldenburg wurde in Stockholm geboren und übersiedelte schon nach wenigen Jahren mit seiner Familie in die USA. Er studierte an der Yale Universität in New Haven Literatur und Kunst und dann am Art Institute in Chicago. Seit 1956 arbeitete Oldenburg als Künstler in New York und widmete sich kurzzeitig der Malerei. Dann wendete der Künstler sich der Technik der Assemblage zu und schuf, in Anlehnung an dadaistische Vorbilder und als Vorstufe zu seinen späteren ikonischen Pop-Art-Objekten, dreidimensionale Werke aus Gips, Stoff und Gegenständen aus dem Abfall. Er veranstaltete Anfang der 1960er Jahre Happenings mit dem US-amerikanischen Künstler Allan Kaprow, bevor er sich Environments und größeren Plastiken, die der Pop-Art zuzurechnen sind, widmete. Dabei bildete Oldenburg banale Gegenstände es Alltags, wie ein Waschbecken, Lichtschalter oder Konsumgüter aus entgegen der tatsächlichen Materialwirkung weichen Materialien, wie Wellpappe, Stoff und aus Vinyl, gefüllt mit einer flauschigen Naturfaser, nach. Dieser Effekt erinnert an die weichen Uhren und Bohnen, die der Surrealist Salvador Dalí in seine überwirklichen Bilder malte. Schließlich hatte Oldenburg seine ersten

Einzelausstellungen mit den sogenannten „Soft Sculptures“. Dazu zählen die „Soft Light Switches“, aus weichem weißen Material nachgebildete Lichtschalter. Diese Pop-Art-Plastiken haben noch Normalgröße und bilden wie geschmolzen wirkende Kloschüsseln, Pasteten, Tortenstücke und Eistüten ab. Für die Installation und Ausstellung „The Store“ 1966 bildete Oldenburg die kompletten Auslagen und Waren eines Lebensmittelladens, wie Kuchenstücke, Würstchen, aber auch Kleidungsstücke aus Gips nach und bemalte sie mit Farbe. Damit tritt der Künstler dem Siegeszug des Konsums durch teils schäbige Materialien und Objekte aus dem Abfall entgegen.

 

Ab Mitte der 1960er Jahre ging der Künstler dann zum riesigen Format über und nutzte einen Blow-Up-Effekt für seine im Stadtraum von New York konzipierten „Large Scale Projects“. Unter den Motiven sind Hamburger und Pommes Frites sowie Schrauben und Werkzeuge. Damit folgte er einem Lebensstil, der mit „Think Big“ oder „Larger than Life“ sloganhaft umschrieben wurde. Seit Ende der 1970er Jahre arbeitete Oldenburg mit seiner Partnerin Coosje van Bruggen zusammen. Spektakulär sind die mehr als zehn Meter hohe Krawatte „Inverted Collar and Tie“ vor einem Hochhaus in Frankfurt oder die für die documenta 1982 entstandene riesige Spitzhacke am Fulda-Ufer in Kassel.

 

Seine lakonischen und auf den ersten Blick einfachen Werke sind der Realität nachempfunden und auf monumentales Format gebracht. Was zum Teil als schlichte Affirmation oder vordergründige Konsumkritik gewertet werden konnte, war vielfach nicht unumstritten. Die überdimensionierten Kunstobjekte von Claes Oldenburg wurden wie Spielzeug im XXL-Format gedeutet, die ein Riese beliebig abgeworfen hat. Bei vielen Objekten wurde auch über eine politische Interpretation gerätselt. Dabei gibt es auch schon früh politische Arbeiten wie den „Lippenstift auf Kettenfahrgestell“, den Oldenburg 1969 an der Yale Universität als Reaktion auf den Vietnamkrieg platzierte. Auch die Installation „Houseball“ in Berlin nimmt als Darstellung des Bündels eines Migranten im Umfeld von Bürohochhäusern gesellschaftspolitisch Stellung. Im Sinne der Pop-Art schließen sich Oberflächlichkeit und subversiv-schmunzelnde Botschaft nicht aus.

 

Claes Oldenburg präsentierte seine Werke auf vielen bedeutenden Ausstellungen wie mehrmals auf der documenta und den Skulptur Projekten in Münster und wurde 1995 mit einer Retrospektive im Guggenheim Museum in New York geehrt. Der renommierte Künstler lebt und arbeitet in New York.