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13 Februar

ZERO

Das Wiederaufleben einer Avantgarde der Nachkriegszeit

Günther Uecker und das Kunstnetzwerk ZERO

„Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich.
Zero ist der Mond. Die Sonne ist Zero. Zero ist weiss.“

(ZERO-Manifest, 1963)

Mit dem Begriff ZERO meint man nicht nur die Werke der deutschen Künstlergruppe, sondern auch ein internationales Kunstnetzwerk. ZERO ist eine der letzten großen avantgardistischen Bewegungen in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Was zwischen 1958 und 1966 in den Ateliers von Otto Piene und Heinz Mack und später bei Günther Uecker sowie bei Ausstellungen europaweit und öffentlichen Performances geschah, wurde über Jahrzehnte nicht eingehend gewürdigt. ZERO wurde eine „vergessene Avantgarde“, wie es im Katalog zur großen internationalen Retrospektive 2015 im Martin-Gropius Bau in Berlin und im Stedelijk Museum in Amsterdam heißt. Diese umfangreichste Schau seit 50 Jahren entstand in Kooperation mit dem Solomon R. Guggenheim Museum als Beginn der Wanderausstellung im Herbst 2014 sowie der ZERO foundation in Düsseldorf und dem Stedelijk Museum. Seit einem Jahrzehnt kann man von einer ZERO-Renaissance sprechen, die in diesem Jahr durch die Retrospektive, verschiedene Biennalen sowie viele Auktionsrekorde ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Ein fulminantes ZERO-Jahr geht zu Ende. Die über die Kerngruppe von Mack, Piene und Uecker hinausgehende Künstlerbewegung schuf eine Utopie von Grenzenlosigkeit, Schönheit und Immaterialität einer zwischen Technik und Natur angesiedelten Kunst. Die Grundprinzipien waren die Visualisierung von Licht, monochrome Malerei, Bewegung, serielle Strukturen und die Aktivierung des Betrachters. Das gemeinsame Ziel war die Schaffung einer künstlerischen Zone neuer universeller Sensibilität. Viele europäische Künstler gingen Ende der 1950er Jahre radikale Wege und standen dabei im Austausch mit Protagonisten wie Lucio Fontana aus Mailand und Yves Klein aus Paris, die die Kunst durch ein gemeinsames überbildnerisches Denken neu definierten, das interdisziplinär sowohl Bildobjekte und plastische Prozesse als auch Installationen in der Natur und im öffentlichen Raum einbezog. Man erkennt heute, wie früh sich mit ZERO Aktionskunst, Pop-Art, frühe Minimal-Art, Land-Art und Fluxus vorbereiteten.